Sedation = lateinisch „sedare“ für „beruhigen“

Ich sediere jedes Pferd für die gründliche Befunderhebung und Zahnbehandlung! Auch ganz umgängliche Tiere. Dies hat nichts mit dem Charakter eines Pferdes zu tun, sondern dient: 

  • der Beruhigung des Pferdes
  • einer gewissen Schmerzausschaltung
  • der Stressreduktion für das Fluchttier Pferd
  • der Minimierung des Verletzungsrisikos für Tier und Mensch
  • der Muskelrelaxation (=Entspannung): eine genaue Diagnose und Beurteilung ist nur am entspannten Pferd möglich
  • der Optimierung der Arbeitsqualität

Vor der Behandlung

Vor der Zahnbehandlung darf das Pferd fressen und trinken. Auch leichte Bewegung ist möglich. 

Generell sollte das Pferd in einer ruhigen Umgebung sediert werden, da Aufregung den Wirkungseintritt verhindern bzw. verzögern kann. Eine ruhige Umgebung wirkt sich positiv auf die Reduzierung der Stressbelastung des Pferdes aus.

Sedation

Dosierung

Die jeweilige Menge an Sedation wird in dem Behandlungsbogen vermerkt. Im Anschluss der Behandlung bewerte ich die Qualität der Sedation und dokumentiere diese. Bei einem nächsten Zahntermin dient diese Bewertung als Entscheidungsgrundlage für eine individuelle Dosisanpassung.  

Für die Sedation stehen dem Tierarzt heutzutage verschiedene Medikamente zur Verfügung, die eine sichere Anwendung und präzise Dosierungen ermöglichen.

Mögliche Nebenwirkungen

Natürlich können auch diese Nebenwirkungen hervorrufen – die am häufigsten vorkommenden sind:

  • Schwitzen: Im Winter ist eine Abschwitzdecke nach der Behandlung sinnvoll um ein Auskühlen des Pferdes zu verhindern
  • Schwanken: Aufgrund der Entspannung der Muskeln können manche Pferde ins Schwanken geraten. Ein stabiler, gerader, rutschfester Untergrund ist somit unerlässlich. Auch ältere Pferde schwanken gelegentlich stark, weil die Muskulatur altersbedingt schwindet. 
  • Zucken: Manche Pferde zucken nach Verabreichen der Sedation. Häufig sind es sehr aufgeregte Pferde die sich gegen eine Beruhigung „wehren“. Ruhe und eine Anpassung der Sedation helfen in dieser Situation. Meistens beruhigt sich das Pferd nach ein paar Minuten.
  • gesteigerter Urinabsatz: die verabreichten Substanzen sind harntreibend
  • dreibeiniger Stand: Genau wie bei einem Dösen in der Mittagszeit, entlasten die meisten Pferde häufig ein Hinterbein bei der Zahnbehandlung in Sedation. 
  • gesteigerte Reaktion auf äußere Reize: Auch wenn die Sedation allgemein zu einer Beruhigung der Pferde führt, sind sie für manche Reize sensibler. So reagieren viele Pferde gereizt auf z.B. Fliegen im Sommer. Eine Fliegendecke und Fliegenspray können hier helfen. Eine ruhige Umgebung ist für die Zahnbehandlung sinnvoll.
  • Esel: manche Esel reagieren mit Juckreiz der Oberlippe und heftigem Schnauben. Eine Veränderung in der Sedation hilft hier meistens.

 

Für die Turnier-Saison

Die Sedation wird als Doping eingestuft und es sollten mindestens 6 Tage Wartezeit, bei manchen Medikamenten sogar 9 Tage, eingehalten werden vor einem Test. Bitte denken Sie bei der Terminvergabe daran bzw. halten mit mir Rücksprache vor der Zahnbehandlung. Für fleißige Turniergänger empfiehlt sich die Winterpause als Zeitpunkt für Routinezahnbehandlungen.

sediertes-Pferd
Sediertes Pferd

Nach der Sedation

Nach der Sedation darf das Pferd für mindestens 2 Stunden keine Nahrung zu sich nehmen, da die Darmmotilität (also Aktivität des Darmes) herabgesetzt ist. Sie können Ihrem Pferd aber Wasser zum trinken anbieten. Am besten kann das Pferd in einer Box oder auf dem Paddock in Ruhe alleine aufwachen. Ein gut sitzender Maulkorb schützt vor verfrühter Futteraufnahme. Unsedierte Herdenmitglieder könnten das müde Pferd ärgern und daher sollte eine Trennung von anderen Pferden in der Aufwachphase erfolgen.

Gerade bei älteren Pferden oder in den Sommermonaten empfiehlt es sich im Anschluss an die Behandlung die Beine des Pferdes mit kühlem Wasser abzuspritzen und das Pferd im wachen Zustand kurz zu führen um den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Als erste Mahlzeit zwei Stunden nach der Behandlung eignet sich ein angerührtes Mash.

Am nächsten Tag kann in der Regel geritten werden. Nach der Extraktion von Wolfszähnen oder bei der Behandlung von großen Rampen oder Haken auf den ersten Backenzähnen wird eine gebisslose Bewegung in den ersten Tagen empfohlen.